Samstag, 21. April 2018

Der Garten der Düfte - Kirsty Manning

Von diesem Roman hatte ich mir mehr versprochen.


Der Originalroman "The Midsummer Garden" der Australierin Kirsty Mannings Roman erschien bereits 2017. Die deutsche Übersetzung durch Sonja Rebernik-Heidegger "Der Garten der Düfte" erscheint 2018 im Knaur Verlag.
Die Vorankündigung verspricht einen Wohlfühl-Roman für alle Sinne. 

Die zwei Frauen in diesem Roman trennen rund 500 Jahre und gleichzeitig verbindet sie ihre Leidenschaft für das Kochen und für die Kombination der unterschiedlichsten Zutaten.
Pip Arnet ist Meeresbiologin und lebt in Tasmanien, sie steht kurz vor ihrer Doktorarbeit über Muscheln und möchte sich nicht gerne festlegen, das gilt vor allem für ihren Freund Jack. In einen Kupferkessel, ein Verlobungsgeschenk ihrer Eltern, entdeckt sie das mittelalterliche Rezepte-Büchlein einer gewissen Artemisia.
Artemisia ist Köchin an einem französischen Hof im Jahr 1487. Sie verstand es ausgezeichnet, mit Kräutern und besonderen Zutaten außergewöhnliche Gerichte zu kreieren.
Pip versucht auf ihrer Reise durch Europa dieser Artemisia näher zu kommen und etwas über sie in Erfahrung zu bringen. Dabei lernt sie aber auch sich selbst besser kennen... 



Dieser Roman wurde als Wohlfühlroman für alle Sinne umworben, ich habe mich auf eine schöne kulinarische Lektüre gefreut und diese mit Einschränkungen auch erhalten. 


Man taucht abwechselnd in Pips und Artemisias Leben ein, erfährt etwas von ihren Lebensumständen und ihren Möglichkeiten. Während Pip ihr Leben so ausrichten kann, wie sie es selbst bestimmt, bleibt Artemisia nur die Stelle am Hof als Köchin. Sie ist als Dienstbotin der Willkür des Abtes unterworfen und hat darunter sehr zu leiden. Als sie sich in den jungen Andreas verliebt, ist auch das dem Abt ein Dorn im Auge. Den Hof regiert ein weltlicher Herrscher und für dessen Hochzeit plant und führt Artemisia ein oppulentes Hochzeitsmahl mit mittelalterlichem Prunk.


Mir hat der Einblick ins Mittelalter mit Artemisia sehr gut gefallen. Ihr Leben wird nur über einen kurzen Zeitraum beschrieben und ich habe mit ihr gelitten, wenn sie gepeinigt, gedemütigt sowie misshandelt wurde und ich habe mit ihr Hoffnung geschöpft, als sie sich in Andreas verliebt und mit ihm einen Briefwechsel beginnt. Ihre kulinarischen Köstlichkeiten sind wahre Kunstwerke und sie hat ein großes Wissen über Kräuter, Gewürze und Lebensmittelkunde. Auch ihre Zeitgenossen sind interessant zu beobachten, man kann sich das Leben am Hofe gut vorstellen, besonders die armseligen Zustände des Gesindes. Von früh bis spät wurde gearbeitet, teilweise als Leibeigene und für einen Hungerlohn. 


Pip vertieft sich in die Rezepte von Artemisia, sie zieht durch Europa und lernt kochen in erlesenen Restaurants. Doch die Verbindung zu Artemisia reißt irgendwann ab. Sie haben nur das Kochen gemein. Hier verliert sich die Autorin in vielen Gerichten, Besonderheiten der Zutaten und der Zubereitung. Am Anfang konnte ich ihr noch begeistert folgen, doch irgendwann wurde es mir zuviel. Die etlichen Kräuter und Lebensmittel überforderten mich in ihrer Masse und Vielfalt und ich hätte stattdessen lieber nur einige Gerichte vom Hochzeitsbankett in Rezeptform erhalten. Außerdem wurde in Artemisias Küche Würfelzucker verwendet, eine Erfindung, die ein Franzose erst 1875 auf dem Markt brachte. Solche Fehler sind bei guter Recherche unnötig. 


Endlich nähert sich Pip dem Château, in dem Artemisia gelebt hat und ich hoffte auf eine besondere Auflösung oder Verbindung. Das konnte mir die Autorin nicht bieten, es entwickelte sich nicht in dem Maße, wie ich es mir erhofft habe. Ein weiterer Teil der Handlung, in dem es um Pips Schwester Meg geht, konnte mich ebenfalls nicht überzeugen.  

Die Verbindung der beiden Frauen blieb für mich ohne eine wichtige Aussage. Pip war mir auch nicht so sympathisch wie Artemisia. Bis zum Ende habe ich auf den entscheidenden Punkt, die wichtige Schnittstelle gehofft, womit sich beide Figuren verbinden. Ich habe den Brautstrauß als solches für mich angenommen. 

Schreibtechnisch kann man der Autorin nichts vormachen. Sie beherrscht ihr Handwerk, es liegt allein an der fehlenden Schnittstelle der beiden Figuren, das mich dieser Roman nicht begeistern konnte.


Dieser Roman besticht durch die kulinarischen Gerichte vor etwa 500 Jahren an einem französischen Hof. Die Suche der neuzeitlichen Figur Pipa geht ihre eigenen Wege, sie entwickelt sich und kommt dennoch der historischen Figur nicht richtig nahe. 


Ein sehr ausführlicher Roman, von dem ich mir mehr versprochen habe. 


 ***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für die Bereitstellung dieses Buches!*** 




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Freitag, 20. April 2018

Freitags-Füller # 85







    

 

Immer wieder kommt ein neuer Freitag ... und damit der Freitagsfüller! 

 

Dies ist ein Projekt von Barbara von  Scrap-Impulse

Ein kleiner Lückentext zum Ausfüllen.

 

1. Anrufbeantworter finde ich nervig und nur bei amtlichen Gesprächen spreche ich auf etwas darauf, ansonsten zeigen sie mir doch nur die Abwesenheit des Teilnehmers.

 

2. Der beste Erdbeerkuchen ist für mich einfach Erdbeeren in saftiger Frische pur oder mit ein wenig Milch oder Sahne.

 

3Es ist noch ein Weihnachtsmann von Lindt übrig.

 

4. Wenn ich jetzt draußen bin, genieße ich es, wie alles wieder grün austreibt und ich freue mich an den  Blüten der Magnolien und Apfelbäume und bunten Blumen.

 

5. Ich benötige reichlich Zeit wenn ich einen bestimmten Arzttermin machen muss, denn dann hänge ich meistens länger in der Warteschleife.

 

6. In unserem Land  als Sozialstaat sollte das Betteln verboten werden, das wird übrigens in Norwegen schon praktiziert. Das organisierte Bettlertum wäre damit hinfällig.


7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf eine sangesfreudige Chorprobe, morgen habe ich den Einkauf, etwas Lesen und den Besuch einer Freundin geplant und Sonntag möchte ich nach dem Singen bei einer Konfirmation lesen und eine kleine Radtour machen.


Welche Pläne habt ihr für die nächsten Tage? 

Liebe Grüße und schönes sonniges Wochenende! 

Donnerstag, 19. April 2018

Eiskalter Hund - Oliver Kern

Humor, Wortwitz und herrlich durchgeknallte Figuren bringen einfach Spaß.

Ein gelungener Auftakt der Fellinger-Reihe 

 

"Eiskalter Hund" ist der erste Fall für Berti Fellinger von Oliver Kern. Der Krimi erscheint neben der Printversion im Heyne Verlag auch als Hörbuch bei Random House Audio. Dieses Hörbuch umfasst 5 CDs mit einer Spieldauer von 6 Stunden und 19 Minuten. Es ist die b ungekürzte Fassung, die von Michael Schwarzmaier gelesen wird. 

Fellinger ist eine echte Type, er wäre lieber Polizist geworden, als Lebensmittelkontrolleur geht er aber auch wichtigen Dingen auf die Spur und das mit reichlich Sarkasmus und Humor. Ein anonymer Anrufer bringt Fellinger zur Kontrolle des ortsansässigen Chinesischen Restaurants, dort wird eine übel aussehende schwarze Soße serviert und im Kühlraum hängt ein toter Hund, angeblich für den Besuch aus China. Er findet heraus, dass die Halterin des Hundes vermisst wird. Fellingers Ermittlungsneugier ist geweckt, er geht der Sache nach.



"...dass hier in der Gegend immer ein leichter Hauch von Jauche in der Luft hängt. ...Mit geschlossenen Augen sauge ich die niederbayrische Frische in mich hinein. Es ist nicht der Lavendelduft der Provence..., aber es ist Heimat..."Zitat Seite 137

Berti Fellinger ist schon ein ganz besonderer Charakter, ein Grantler wie er im Buche steht. Sein kaputtes Knie verhinderte seine Karriere als Polizist, nun jagt er als Hygieneinspektor die Bakterien und Keime in Restaurants. Dabei spürt er es zwischen den Schultern, wenn ein Verbrechen in der Luft liegt. Fellinger bezeichnet sich selbst als tolerant gegenüber anderen Volksgruppen und liefert andauernd Gegenbeispiele,so hat er ein besonderes Auge auf Chinesen, Russen und Tschechen und mit Preußen kann er auch nicht viel anfangen. Sein Verhalten und seine Ansichten sind so überzeichnet und offensichtlich anders, dass es für den Leser eine wahre Freude ist. Aber Fellinger erkennt auch Fehler im Verhalten seiner eigenen Landsleute, die er ihnen aber gerne verzeiht.


"Dieser Vorfall zeigt, dass der Niederbayer aufgrund seiner infantilen Reaktion auf vermeintliche Nichtigkeiten durchaus noch zu den Naturvölkern gezählt werden darf." Zitat S. 195

Auch wenn man hier nicht unbedingt eine hochspannende Krimihandlung erleben kann, kommt dafür der Spaßfaktor voll zum Zuge. Es ist sehr lebendig zu beobachten, wie Fellinger hier den Ermittler spielt und dabei auch einiges einstecken muss. Mit reichlich Lokalkolorit und einigen Brocken Dialekt kommt man dem Bayrischen Wald näher, Verständnisprobleme muss man nicht befürchten,  ein kleines Glossar gibt Übersetzungshilfe am Ende des Buches.


Neben Fellinger gefallen mir auch die anderen teilweise recht schrägen Figuren im Buch sehr gut. Zum Beispiel Max Aschenbrenner, auch besser bekannt als Texmäx, weil er vor Jahren im Rausch ein Kettensägenmassaker angerichtet hat. Oder der Chinese Luang, für den das "R" unaussprechlich ist und deshalb häufig Wörter mit "L" benutzt. Man findet hier immer wieder Charaktere, die für jede Menge Unterhaltung sorgen und kann gespannt mitraten, wer wohl hinter allem steckt. 

Der Schreibstil von Oliver Kern sorgt für ein flüssiges Dahingleiten durch das Buch, die kurzen Kapitel mit treffenden Überschriften sorgen für zusätzlichen Lesesog. 
Kern trifft mit seinen Beschreibungen die menschlichen Besonderheiten zwar etwas überspitzt, aber herrlich humorig. Wie er seinen Fellinger arbeiten, ermitteln und leben lässt, ist einfach eine Freude. Und das kann der Sprecher Michael Schwarzmaier wunderbar herausarbeiten. Seine Stimme ist sehr gut geeignet zum Zuhören und er bringt die Facetten der Figuren hervorragend und feinfühlig zum Ausdruck.


"Eiskalter Hund" konnte mich auch als Hörbuch noch einmal wunderbar unterhalten und ich freue mich auf weitere Fälle mit Fellinger. Er könnte ein entfernter Verwandter vom Eberhofer Franz sein, das müsste man mal recherchieren! Humor, Wortwitz und herrlich durchgeknallte Figuren bringen einfach Spaß.

***Herzlichen Dank für dieses Hörbuch Reziexemplar von Random House Audio, ich hatte großen Spaß damit!***



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Strandkorbträume - Gabriella Engelmann

Inselfeeling, dieses Buch und den Strand der Nordsee, mehr braucht man nicht zum Glücklichsein.


Ein Wohlfühlroman mit Syltflair

Der Roman "Strandkorbträume" von Gabriella Engelmann ist der vierte Teil der Reihe um das Büchernest in Keitum. Die Reihe erscheint im Knaur Verlag.


Es geht wieder nach Sylt, das Büchernest-Team braucht dringend Verstärkung, weil Buchhändlerin Larissa wegen ihrer Schwangerschaft das Bett hüten muss. Als Sophie, die mittlerweile in Wien lebt, davon erfährt, stellt sie ihre Beziehung zu David in Frage und beschliesst, den Freundinnen zu helfen und wieder nach Sylt zu ziehen. Vielleicht bringt dieser Sommer ihr neues Lebensglück und den Freundinnen weitere schöne Erlebnisse.   


Nach dem dritten Band der Reihe "Wintersonnenglanz" geht es nun weiter mit einem Urlaubsroman voller Nordseeflair auf der Ferieninsel Sylt. Es gibt ein Wiedersehen mit den Freundinnen vom Büchernest, einem niedlichen Buchladen und es steht sogar eine Hochzeit ins Haus: Tante Bea heiratet ihren Adalbert.

Auch dieses Buch liest sich wieder sehr leicht und locker, auch wenn dunkle Wolken am Horizont das Ende des Buchladens verkünden. Die Freundinnen lassen sich jedoch nicht entmutigen, sie überlegen neue Konzepte und suchen im hart umkämpften Immobilienmarkt einen geeigneten Laden. Leider ist das eine Frage des Preises und deswegen finden sich nicht gerade viele Objekte zur Auswahl.

Für Sophie bedeutet der Umzug nach Sylt einen Schlussstrich unter ihre Beziehung zu David zu ziehen. Längst schon hat sie in Wien gemerkt, dass ihre Wege nicht übereinstimmen.
Auf ihre Arbeit im Buchladen "Bücherstube" freut sie sich sehr und kann es kaum abwarten, ihre Freundinnen wiederzusehen.  

Dieser Roman lässt den Leser stimmungsvoll mitreisen zu den authentischen Schauplätzen Sylts, die im Buch immer wieder auftauchen. Man kann sich damit sofort in die nötige Stimmung für einen Sommerurlaub auf der schönen Nordseeinsel versetzen. Ortskundige werden Bekanntes wiedererkennen.

Gabriella Engelmanns Schreibstil lässt sich locker und leicht lesen, die kurzen Kapitel werden aus verschiedener Sicht der Protagonistinnen erzählt und so kann man gut alles genau miterleben.
Die Charaktere sind vielfältig angelegt, es gibt lustige, traurige und auch ernste Szenen, bei denen man sich wie in einer Familie beteiligt fühlt.
Ein wenig Platt sorgt für das nötige Friesenflair und die Ideen in und um den Buchladen verlocken jeden Bücherwurm. Man würde dort selbst gern einkaufen, einen Tee trinken und die verschiedenen Vorträge oder Lesungen besuchen. Es ist ein Roman zu Wohlfühlen und das Syltflair hat mich sofort begeistert und an eigene Aufenthalte erinnert. Geschickt baut die Autorin die Problematik des schwierigen Immobilienmarktes auf Sylt ein und das verleiht dem Ganzen einen realistischen Anstrich.

Die Geschichte will locker unterhalten und plätschert daher manchmal etwas vor sich hin. Es ist genau die richtige Lektüre für den Strandkorb. 


Dies ist ein Wohlfühlroman für schöne und entspannte Lesestunden, der Lust auf einen Urlaub auf Sylt macht. Das Inselflair ist sehr authentisch und wer schon einmal dort war, wird viele Schauplätze wiedererkennen.


***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für die Bereitstellung dieses Buches!***




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Bücher der Autorin:

Mittwoch, 18. April 2018

Toter Mann mit Trachtenente - Dieter Sdun

Sehr amüsanter Krimi, der mit trockenem Humor und den dargestellten menschlichen Schwächen gut unterhält.


Der Regionalkrimi "Toter Mann mit Trachtenente" ist das Krimidebüt von Dieter Sdun. Das Buch erscheint 2018 bei Edition M.

Lothar Uhl, in seiner Familie besser bekannt als Lollo, ist Privatdetektiv in Kiefersfelden und hat normalerweise nur kleine Überwachungsaufträge zu erledigen. Als der recht unbeliebte Unternehmer Ludwig Sandmoser tot in seinem Pool gefunden wird, tippt Dorfpolizist Danner auf Herzinfarkt. Das kann Lollo aber nicht glauben, denn er kommt an brisantes Material aus Sandmosers poolnahem WC-Eimer. Die Analyse lässt keinen Zweifel, es handelt sich um Gift eines brasilianischen Pfeilgiftfrosches.
Dieser Mord lässt Lollo nicht los und er taucht tief ein in den Fall und erfährt so allerhand über die Beziehungen der scheinbar so biederen Bewohner von Kiefersfelden.  
  




Ich finde, Dieter Sdun hat mit Lollo einen wunderbaren Ermittler geschaffen. Lollo ist ein echter Normalo, eher kleingewachsen, hat höchstens mal familiäre Zwistigkeiten und ist keiner dieser außergewöhnlichen Ermittler mit Drogenproblemen oder ähnlichem. Er ist ein Familienmensch, liebt Frau Moni und Söhnchen Max und hat es als Zugereister in Bayern auch nicht immer leicht.
Man kann Lollo und seine Sicht auf die Dinge gut verstehen, nach ein paar Seiten wirkt er wie ein alter Bekannter.

Das Buch liest sich locker weg, mir hat die turbulente Story gute Unterhaltung geschenkt. Die Spannung ist grundsolide, die Figuren sind lebensnah dargestellt, der Täter bleibt bis zum Ende relativ ungeahnt und überrascht auf seine Art. Manche Szenen sind vielleicht ein wenig zu detailgenau, ich denke da an die fast bildhaft beschriebene Verfolgungsjagd. Aber auch das werden viele Leser mögen.
Dieter Sdun erzählt sehr flüssig und mit trockenem Humor, seine Figuren sind voller Beziehungsklüngel und das macht das Mitraten nach dem Täter besonders schwierig. Es ist eher ein beschaulicher Krimi, bei dem die ländliche Kulisse eine große Rolle spielt.  

Mir gefallen besonders die humorvollen Spitzen und die normal wirkende Beziehung zwischen Lollo und Moni sehr gut. Der Blick auf den ausgesprochen realistisch klingenden Tonfall von Söhnchen Max hat mir echt Freude bereitet. Kindermund tut Wahrheit kund und dieser kleine Racker in besonders treffender Weise. Max bringt kindliche Unbefangenheit in die Geschichte. 


Dieses tolle Debüt unterhält auf sehr humorvolle Weise. Vielschichtige Personen, ein unbekannter Täter und reichlich Humor sorgen mit bayerischer Atmosphäre für eine tolle Lektüre. Ich bin jetzt schon ein Fan von Lollo und würde mich über weitere Bücher sehr freuen.  



***Herzlichen Dank an Amazon Publishing für die Bereitstellung dieses Leseexemplares! ***
 



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Dienstag, 17. April 2018

Kalter Sand - Anja Behn

Ein sich dynamisch steigernder und packender Ostseekrimi 


Der Kriminalroman "Kalter Sand" von Autorin Anja Behn ist der dritte Fall um den Kunsthistoriker Richard Gruben. Erschienen ist der Roman im Emons Verlag.

Richard Gruben besucht seinen langjährigen Freund Philipp Stöbsand anlässlich seiner Vernissage. Dieser ist eigentlich Portraitfotograf, hat aber gerade einen Bildband über Landschaften an der Ostsee herausgebracht. Richard erfährt von einem sechs Jahre zurückliegenden grausamen Verbrechen an einem jungen Mädchen, bei dem Philipp der Hauptverdächtige war. Ein neuer Toter sorgt für Aufregung und Richard möchte nun die Wahrheit herausfinden und geht den Spuren nach. 

Der Prolog verbreitet gleich eine düstere und spannende Atmosphäre. Die Gedanken des Mörders werden beim Transport der Leiche beschrieben. 
Bei diesem Krimi kommt man auch ohne Vorkenntnisse der Vorgängerbände schnell in die Handlung und ermittelt gemeinsam mit Richard und der Polizei. Welche Dinge haben sich vor sechs Jahren abgespielt und hängt der alte Fall mit dem neuen Toten zusammen?
 
Richard ist geschieden und hat ein Kind, das mit seiner Frau im Urlaub ist. Deshalb nutzt er die Einladung seines Freundes Philipp, den er schon lange nicht mehr gesehen hat. Doch Philipp hat sich verändert, er stand sogar unter Mordverdacht und Richard versucht herauszufinden, ob die Tat wirklich Philipp zuzutrauen ist. Informationen erhält Richard von einem befreundeten Kommissar namens Muslow.


In "Kalter Sand" wird zwar nicht ungefährlich vorgegangen, aber die Vorkommnisse sind relativ unblutig geschildert. Es stehen mehr die personellen Verstrickungen der Figuren mit ihren Gefühlen im Vordergrund und so agieren alle Beteiligten untereinander betroffen oder zumindest verletzt und mitfühlend, die Kriminellen ausschliesslich aus Enttäuschung, Verzweiflung oder Vertuschung. 

Gruben selbst ist als Besucher nur im Hinblick auf Philipp betroffen, er behält ansonsten den unbeteiligten Überblick und kommt einigen Dingen auf die Schliche. Einige Aussagen entpuppen sich als entscheidende Hinweise in der Tätersuche. So ist man den Ermittlungen als Leser immer einen Schritt voraus. 

Anja Behn schafft es, den Leser an das Buch zu fesseln und baut mit vielen Fährten eine unheimliche Stimmung auf. Mit ihrem gekonnten Schreibstil baut sie einen Krimi auf, der auch mit psychologischer Einfühlsamkeit punkten kann und den Leser gut unterhält.
Sehr passend wirkt der Plot vor der spätherbstlichen Kulisse der Ostsee an der Boddenlandschaft von Fischland-Darß. Die Stimmungen des Meeres und des grauen Himmels untermalen eindrucksvoll die düstere Krimihandlung. In den Gaststätten werden die ortsüblichen Gerichte serviert und man kehrt gerne mit ein, um die graue Herbststimmung am Meer auszublenden.

Dieser Krimi konnte mich bis zum Ende fesseln und die Tätersuche gestaltete sich auch für den geübten Krimileser schwierig. Mit unerwarteten Wendungen und neuen Erkenntnissen legt die Autorin eine sagenhafte kriminalistische Raffinesse an den Tag.

Ein sich dynamisch steigernder und packender Ostseekrimi, der mich mit den interessant ausgeloteten Figuren, einer wendungsreichen Handlung und der gelungenen Ostsee-Kulisse völlig überzeugt hat. 


***Herzlichen Dank an die Autorin für dieses signierte Leseexemplar! Ich habe den Krimi sehr gern gelesen!***
 



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Montag, 16. April 2018

Wie Sterne so hell - Mina Teichert

Eine ganz besondere Liebesgeschichte mit einem unerwarteten Ende 


"Wie Sterne so hell" heißt der neue Roman von Mina Teichert, der im Tinte & Feder Verlag 2018 erscheint. 

Das Sterben der Sterne 

Sahra ist Künstlerin und als sie gerade ihre Bildreihe zum Sterben der Sterne beendet hat, entdeckt sie von ihrem Lieblingsplatz auf dem Dach ihren neuen Nachbarn Mo. Dieser Mann berührt sie in einer Weise, die sie selbst nicht erklären kann. Dabei zeigt er sich mit seinem Hand zur Selbstzerstörung und mit seiner schroffen Art nicht gerade sympathisch. Eine süße Feindschaft beginnt als er eines Tages vor Sahras Augen zusammenbricht und sie ihm das Leben rettet. Von nun an ist Sahra entschlossen, Mos Blick auf die Welt zu verändern. Dabei hütet sie selbst ein eigenes Geheimni, das wie ein Damoklesschwert über ihr schwebt.



Mit diesem Frauenroman erlebt man ein Auf und Ab an Gefühlen und wird unweigerlich in die Handlung hineingesogen.  

Aus der jeweiligen Sicht der Protagonisten Sahra und Mo erzählt Mina Teichert eine Liebesgeschichte der besonderen Art. Durch die Erzählperspektive bekommt man tiefe Einblicke in die Gedankenwelt der Figuren und kann sie sehr gut einschätzen. 
Beide Figuren sind Künstler und geben ihren Lebensphasen und Gefühlen Ausdruck und Form in ihren Werken, das verbindet und eröffnet ihnen eine Gesprächsgrundlage. Auch haben beide in ihrer Kindheit Dinge erlebt, die sie bis heute nicht aufgearbeitet haben. Eine weitere Übereinstimmung, die sie jedoch eher voneinander abstösst, weil sie sich nicht bedingungslos für ihre gemeinsame Liebe öffnen können. Im Grunde haben beide ihr Päckchen aus ihrer Vergangenheit zu tragen, das erst einmal verarbeitet werden muss.

Die Besonderheit der Charaktere hat Mina Teichert wunderbar nachvollziehbar dargestellt, dank ihres flüssigen und intensiven Schreibstils fliegt man nur so durch das Buch. Ich wollte unbedingt wissen, wie sich die Beziehung von Sahra und Mo am Ende entwickelt.

Man sollte bei diesem Roman allerdings keine fröhliche Liebesromanze erwarten, es gibt einige Schicksalsschläge in der Vita der Liebenden zu verdauen. 
Dennoch hält diese Geschichte durch die künstlerische Verarbeitung von Gefühlen und Erlebnissen einige interessante Aktionen bereit, die wie Hilfeschreie ausgelegt werden können und nachdenklich machen. 
Sahra ist jemand, der anderen Menschen stets helfen möchte und besonders wenn es ihr schlecht geht, lenkt sie das ab. So entdeckt sie auch Mos Verzweiflung und versucht, sein selbstzerstörerisches Verhalten zu verändern.
Die Beiden nähern sich an, stossen sich aber auch wieder ab. Diese Gefühlsschwankungen geben der Story Tiefe und einen unterhaltsamen Charakter. Teilweise fand ich das aber auch zu viel des Guten. Sahras liebenswerte Schwester Mara spielt noch eine besondere Rolle, die man selbst entdecken muss.
Am Ende zeigt sich eine besondere Auflösung, die für mich zu einer der schönsten Stellen überhaupt im Buch gehört.


Dieser Roman ist ein nachdenklich machendes Buch, es ist von Gefühlen durchdrungen und geht besonders am Schluss so richtig unter die Haut.

 
***Herzlichen Dank an Amazon Publishing für die Bereitstellung dieses Leseexemplares auf der Leipziger Buchmesse!***





[Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG] Ich möchte darauf hinweisen, dass ich für diesen Beitrag nicht bezahlt wurde und ihn aus freien Stücken veröffentliche.
 

Hier gibt es weitere Rezensionen zu Büchern der Autorin: